Ios, Griechenland: die Insel, die fast niemand richtig auf dem Schirm hat
Wenn ich Leuten erzähle, dass ich zwei Wochen auf Ios war, kommt fast immer dieselbe Reaktion: "Ach, die Party-Insel?" Und dann erzähle ich von dem Morgen, an dem ich um halb sieben auf einem Felsen über dem Hafen von Manganari saß, kein Mensch weit und breit, und das Wasser so klar war, dass ich die Steine am Grund zählen konnte. Party-Insel. Ja, auch. Aber das ist ungefähr so, als würde man Berlin auf den Berghain reduzieren.
Kurz zur Klarstellung, weil das erstaunlich oft durcheinandergeht: Ios ist eine griechische Kykladeninsel in der Ägäis, gelegen zwischen Naxos und Santorini. Es ist nicht das Betriebssystem von Apple. Die Verwechslung passiert häufiger, als Sie denken, vor allem wenn Sie "ios griechenland" in eine Suchmaske tippen und plötzlich iPhone-Tipps bekommen. Ich schreibe hier über die Insel. Ganz sicher.
Wichtige Erkenntnisse
- Ios liegt zwischen Naxos und Santorini und ist per Fähre in 3,5 bis 6 Stunden von Piräus aus erreichbar – je nach Bootstyp.
- Die Insel hat rund 2.000 Einwohner, aber in der Hochsaison ein Vielfaches davon an Besuchern.
- Chora (der Hauptort) und Mylopotas sind das Party-Zentrum, der Rest der Insel ist überraschend ruhig.
- Es gibt einen kleinen Nationalflughafen (JIK), aber die meisten kommen per Schiff.
- Skarkos gilt als eine der besterhaltenen frühbronzezeitlichen Siedlungen der Ägäis.
- Die Nebensaison (Mai, Juni, September) ist für ruhige Urlauber deutlich angenehmer – und günstiger.
Ios, Griechenland: eine Karte im Kopf, bevor Sie buchen
Bevor ich das erste Mal dort war, hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wie die Insel aufgebaut ist. Ich stellte mir eine kleine, kompakte Fläche vor. Falsch gedacht.
Ios ist etwa 108 Quadratkilometer groß und zieht sich in die Länge. Der höchste Punkt, der Pyrgos, liegt bei 732 Metern. Von dort oben sehen Sie bei klarer Luft bis Naxos und an guten Tagen bis Santorini. Die Insel teilt sich grob in drei Zonen, die Sie sich merken sollten:
- Chora – der Hauptort, weiß getüncht, verwinkelt, oben auf dem Hügel. Hier spielt sich das Leben ab.
- Der Hafen (Ormos) – unten am Wasser, wo die Fähren anlegen. Von hier fahren Busse hoch nach Chora.
- Die Strände – Mylopotas ist der berühmte lange Sandstrand, Manganari liegt im Süden und ist nur per Boot oder Auto erreichbar.
Wie kommt man nach Ios, Griechenland?
Die meisten nehmen die Fähre. Von Piräus (Athen) aus dauert das je nach Verbindung zwischen 3,5 und 6 Stunden. Es gibt schnelle Katamarane und langsamere, dafür günstigere Autofähren. Von Santorini aus sind Sie in etwa einer Stunde da, von Naxos in rund 45 Minuten. Das ist der klassische Inselhüpfer-Weg, den ich selbst gegangen bin – Naxos, dann Ios, dann Santorini. Kann ich empfehlen, wenn Sie Zeit haben.
Und dann gibt es noch den Flughafen. Der Nationalflughafen Ios (JIK) ist winzig. Ich meine das nicht abwertend, sondern wörtlich: ein kleines Gebäude, ein paar Flüge pro Woche, meist aus Athen. Wenn Sie Pech haben, wird Ihr Flug gestrichen und Sie sitzen in Athen fest. Mir ist das einmal passiert, und ich habe daraus gelernt: Fähre buchen, Flug nur als Notlösung. Wer unbedingt fliegen will, plant am besten einen Puffertag ein.
Sehenswürdigkeiten auf Ios, die nicht die Bars sind
Hier wird es interessant. Denn die Insel hat mehr zu bieten als Cocktails und Beachclubs – auch wenn das in vielen Reiseführern untergeht.
Skarkos: eine Ausgrabung, die kaum jemand kennt
Ich bin zufällig darüber gestolpert, weil ein Einheimischer in Chora meinte: "Geh mal hoch zum Skarkos, das ist was Besonderes." Er hatte recht. Skarkos ist eine frühbronzezeitliche Siedlung, die als eine der besterhaltenen ihrer Art in der Ägäis gilt. Was mich beeindruckt hat: Die Häuser stehen teilweise noch zwei Stockwerke hoch, und Sie laufen buchstäblich durch eine 4.500 Jahre alte Siedlung, fast ohne Absperrungen. Kein Gedränge, kein Eintritt mit Schlange. Ganz anders als auf Delos oder Akrotiri.
Das Homer-Grab: Mythos oder Wahrheit?
Der Überlieferung nach soll Homer auf Ios begraben sein. Auf einem Hügel im Norden der Insel gibt es eine Stelle, die als sein Grab gilt. Ob das stimmt? Niemand weiß es. Ich war dort, es ist ein stiller Ort mit Blick über die Küste, und ehrlich gesagt ist es fast egal, ob die Geschichte wahr ist. Sie erzählt viel darüber, wie sehr sich diese Insel mit ihrer eigenen Vergangenheit verbunden fühlt. Für einen Nachmittagsspaziergang ist es allein wegen der Aussicht einen Abstecher wert.
Geheimtipps auf Ios, abseits der Massen
Manganari im Süden. Ich sage es nochmal, weil es so wichtig ist: Fahren Sie nach Manganari. Viele Touristen kommen nie dort hin, weil sie in Chora oder Mylopotas hängen bleiben. Der Weg dorthin führt über eine staubige Straße, Sie brauchen ein Auto oder einen Roller – und dann stehen Sie an einer Bucht mit türkisblauem Wasser, die aussieht wie aus einem Prospekt. Als ich dort war, gab es zwei Tavernen und kaum fünfzig Leute am Strand. Das war Ende Juni, nicht im Winter.
Ein weiterer Tipp: Die Wanderung von Chora nach Agia Theodoti im Norden. Sie gehen etwa eineinhalb Stunden, sehen unterwegs fast niemanden und kommen an einem Kiesstrand mit einer kleinen Kapelle an. Nehmen Sie Wasser mit. Ich habe es beim ersten Mal nicht getan und bereut.
Ios, Griechenland, Party: was Sie wirklich erwartet
Jetzt zum Ruf der Insel. Ja, Ios ist eine Party-Insel, im Sommer auf jeden Fall. Aber die Vorstellung, dass überall 24 Stunden lang die Post abgeht, stimmt nicht. Das Party-Zentrum konzentriert sich auf Chora und Mylopotas, und dort vor allem auf die Monate Juli und August. In Chora reihen sich die Bars aneinander, viele sind in den engen Gassen, und Sie zahlen für einen Cocktail in etwa das, was Sie auch in einer deutschen Großstadt zahlen. Günstig ist anders.
Was mich überrascht hat: Tagsüber ist es fast gespenstisch ruhig. Die Leute schlafen. Die Clubs füllen sich erst gegen Mitternacht. Wer morgens wandern will, hat die Insel praktisch für sich. Das ist ein Rhythmus, mit dem ich mich schnell arrangiert habe – vormittags Strand und Ruhe, abends dann das Gegenteil.
| Monat | Party-Level | Preisniveau | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Mai | Niedrig | Günstig | Wandern und Ruhe |
| Juni | Mittel | Moderat | Bester Kompromiss |
| Juli / August | Sehr hoch | Hoch | Nur wenn Sie Party wollen |
| September | Mittel | Moderat | Warmes Meer, weniger Trubel |
Ios, Griechenland, Urlaub: was Sie vorher wissen sollten
Die Hochsaison auf Ios läuft von Mitte Juli bis Ende August. In diesen Wochen sind die Preise am höchsten und die Insel am vollsten. Unterkünfte in Mylopotas oder Chora kosten dann gut das Doppelte von dem, was Sie im Juni oder September zahlen. Ich habe einmal eine Nacht mitten im August gebucht, weil ich spontan von Santorini rüber wollte, und für ein einfaches Zimmer ohne Meerblick fast das Dreifache gezahlt. Nicht nochmal.
Wer Ruhe sucht, sollte Anfang Juni oder ab Mitte September kommen. Das Meer ist dann immer noch warm, die Strände sind leerer, und die Insel fühlt sich an wie das, was sie eigentlich ist: eine entspannte Kykladeninsel mit einem kleinen, lauten Kern.
Brauchen Sie auf Ios ein Auto?
Für Chora und Mylopotas nicht. Die beiden Orte sind per Bus verbunden, der alle halbe Stunde fährt. Wollen Sie aber nach Manganari, Agia Theodoti oder zu den abgelegenen Stränden im Norden, brauchen Sie ein Fahrzeug. Roller mieten geht, aber seien Sie vorsichtig: Die Straßen sind schmal und teilweise unbefestigt. Ich habe einen Roller genommen und mich zweimal fast hingelegt. Ein kleines Auto ist die sicherere Wahl.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Drei bis vier Tage reichen, um die wichtigsten Strände zu sehen und Chora kennenzulernen. Wenn Sie wie ich die ruhigen Ecken mögen, planen Sie eine Woche. Ich war zwei Wochen da und hatte am Ende das Gefühl, die Insel wirklich zu kennen – was mir bei kürzeren Aufenthalten auf anderen Kykladeninseln nie passiert ist.
Was bleibt
Ios wird oft falsch eingeschätzt. Die einen kommen nur zum Feiern und sehen nichts von der Insel. Die anderen meiden sie, weil sie nur das Klischee kennen. Beides ist schade. Denn zwischen den Bars von Chora und dem Trubel von Mylopotas liegt eine Insel, die morgens still ist, eine bronzezeitliche Siedlung hat, die kaum jemand besucht, und Strände, an denen Sie an einem Junitag allein sitzen können.
Ob Sie nun wegen der Partys kommen oder wegen der Ruhe – kommen Sie mit einer offenen Erwartung. Und buchen Sie die Fähre, nicht den Flug. Das ist der eine Rat, den ich aus zwei Aufenthalten wirklich mitnehme.